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Samstag, 24. August 2019

WIR UNTERNEHMEN FÜR VIERNHEIM

Auftaktveranstaltung mit großer Resonanz

Selbst in den kühnsten Träumen hätten die Initiatoren diese Resonanz nicht erwartet: Über 150 mittelständische Unternehmer aus Viernheim kamen zur Auftaktveranstaltung der kürzlich ins Leben gerufenen Initiative „Wir Unternehmen für Viernheim“. Dieses Projekt, das von der Bertelsmann-Stiftung begleitet wird und Pilotcharakter für ganz Hessen hat, verfolgt das Ziel, städtische Unternehmen zur Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung zu bewegen. Familie, Beruf und Lebensqualität sollen dadurch nachhaltig verbessert werden. Wie ein roter Faden zog sich  dabei die Leitidee durch die Veranstaltung: Unternehmer sollen sich in ein selbst gewähltes Projekt einbringen und damit aktiv an der Gestaltung des Arbeits- und Lebensumfeldes der Stadt mitwirken. Innerhalb eines Jahres – so die selbstauferlegte Verpflichtung – sollen in mehreren Meilensteintreffen konkrete und praxisnahe Projekte aus dem Teilnehmerkreis entwickelt und möglichst zur „Serienreife“ gebracht werden.

 Alexander Schwarz, Wirtschaftsförderer von Viernheim und selbst Mitglied des Initiativkreises, nannte eingangs einen zusätzlichen Effekt der Initiative: Unternehmer bilden untereinander ein Netzwerk, um auf dieser Plattform eine gemeinsame Kommunikationsebene im Sinne einer Win-win-Situation zu schaffen.

 Insgesamt vier Themenbereiche wurden in Rahmen dieser Veranstaltung präsentiert, die in den Räumen des Autohauses Ernst über die Bühne ging. Das Besondere daran: Den Teilnehmern wurde kein vorbereitetes Projekt vorgestellt – es waren vielmehr „unbearbeitete Bildleinwände“ als Rahmen, deren „thematischer Inhalt und die individuelle Farbgebung“, so Schwarz, die Unternehmer selbst bestimmen werden.

 Ein Schwerpunktprojekt bildet dabei das Thema „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“. Wolfgang Kempf, Inhaber der Rathaus- und Rhein-Neckar-Apotheke in Viernheim, betonte, dass diese Problematik immer mehr die Realität der Arbeitswelt bestimme. Für viele Betroffene – insbesondere alleinerziehende Elternteile und berufliche Wiedereinsteiger nach geburtsbedingten Auszeiten – sei es oftmals extrem schwierig, geeignete Betreuungsmöglichkeiten für Kinder zu finden. Das Kernproblem dabei sei, dass Öffnungszeiten von Kindergärten oftmals nicht deckungsgleich seien mit den geforderten Arbeitszeiten. „Unsere Initiative zielt darauf ab, diesem Ungleichgewicht zu begegnen, denn Beruf ist wichtig – aber die Familie ist es auch“, umschrieb Kempf das Ziel, schnellstmöglich effiziente Betreuungsmodelle für Viernheim zu entwickeln.

 Wolfgang Hofmann, Geschäftsführer des Müllentsorgungsdienstleisters Joh. Franz Hofmann GmbH & Co KG Viernheim, widmete sich der Thematik „Mein Unternehmen – das unbekannte Wesen ?!“. Sein Ansatz einer thematischen Aufarbeitung besteht darin, mehr Transparenz zu schaffen, um die wechselseitige Identifikation der Unternehmen mit der Stadt aber auch der Bürger mit den hier ansässigen Firmen zu stärken. „Schülern und Jugendlichen fehlt es heutzutage oft an der Vorstellung, welche Berufe in unseren Unternehmen ausgeübt, d.h. welche Ausbildungsstellen angeboten werden“, beschrieb Hofmann die Beweggründe für diese Thematik. Mit geeigneten Möglichkeiten, wie Betriebsführungen oder Kooperationen mit Schulen, könne so dem drohenden Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Mitarbeiter von morgen ließen sich mittels dieser Herangehensweise schon sehr frühzeitig sensibilisieren. Hofmann brachte in diesem Zusammenhang die Einrichtung einer Übungsfirma ins Gespräch.

 „Unsere Mitarbeiter sind unser Kapital mit unschätzbarem Mehrwert“ – auf diese Formel brachte Harald Hofmann vom Institut für angewandte Betriebspädagogik (IfaBp) die hohe soziale Kompetenz, die Mitarbeitern innewohnen kann. Durch aktive Vereinsarbeit könnten  diese die Fähigkeit entwickeln, Verantwortung zu übernehmen und sich zu verwirklichen. „Das kommt letztlich den Unternehmen selbst zugute, weil dadurch eine  bessere Vernetzung in der Region erfolgt“, beschrieb Hofmann den Mehrwert dieses Ansatzes. Letztlich profitiere durch das Erlernen von professionellem Know-how sowie effizienter Strukturen im Rahmen des beruflichen Erlebens auch die Vereinsarbeit davon.

 „Je größer die Bildung, umso größer sind die Chancen, einen ordentlichen und erfolgreichen Berufsstart zu haben“ - dieses Credo schrieb sich Thomas Winkler, Geschäftsführer des KüchenCampus in Viernheim, auf die Fahne. Er sieht einen Schwerpunkt für die künftigen Meilensteintreffen in konkreten Verbesserungsmaßnahmen der Ausbildungsreife. Nachdem Politik, Schulen und Gesellschaft die Problematik erkannt hätten, müsse man nunmehr der Mittelstand  ins Boot holen, um Lösungsmodelle zu entwickeln. „Es ist eine große Chance für uns, gemeinsam mit allen Akteuren junge Menschen in unserer Stadt verantwortungsvoll zur Ausbildung zu führen und dadurch die Einstellung dringend benötigter Fachkräfte zu unterstützen“, warb Winkler für seine Themenpatenschaft.

 Das Werben der Themenpaten, die gemeinsam den Initiativkreis bilden, zeigte unmittelbaren Erfolg: Fast die Hälfte der anwesenden Mittelständler will sich aktiv einbringen und der Initiative mit eigenen Ideen die nötige Schubkraft verleihen. Das freute einen ganz besonders – nämlich Dr. René Schmidtpeter als Vertreter der Bertelsmann-Stiftung, der aus seiner Sicht für das Modell unternehmerischer Verantwortungspartnerschaft warb und den Viernheimer „Kollegen“ hohes Lob für die professionelle Vorbereitung und Durchführung der Auftaktveranstaltung zollte.

 

11.02.2011/ke

Wolfgang Kempf

06204-71255