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Sonntag, 19. Mai 2019

Spendenerlös für das preisgekrönte Integrationsprojekt „Ich bin ein Viernheimer“

5. After-Work-Unternehmer-Treffen der WUFV im Autohaus Ernst

ein voller ErfolgServicewüste“ Deutschland? - bemerkenswerter und sehr unterhaltsamer Fachvortrag von Sven Deckert

 

Als die bemerkenswerte Initiative WUFV (Wir Unternehmen für Viernheim) aus der Taufe gehoben wurde, fand das erste Treffen bereits im Autohaus Ernst statt, nun kehrte man auf Einladung von Verkaufsleiter Bernd Lösch im 90. Jubiläumsjahr des Traditionsunternehmens, das in Mannheim gegründet wurde, wieder dorthin zurück und durfte sich beim gestrigen 5. After-Work-Unternehmer-Treffen über regen Besuch von rund 130 Gästen freuen, die der Einladung der Initiativgruppe mit dem Sprecher Sprecher Wolfgang Hofmann an der Spitze sehr gerne gefolgt waren. Am Eingang ein Gläschen „Viernheimer Goldwasser“ (Sekt mit Blattgold) von Initiativmitglied Bernd Schafhaupt zur Einstimmung und dann begrüßte Wolfgang Hofmann die Gäste und verlas auch ein Begrüßungswort von Bürgermeister Matthias Baaß, der zusammen mit dem Ersten Stadtrat noch einen anderen Veranstaltungstermin wahrnehmen musste und erst später zur Veranstaltung kam. Gastgeber Bernd Lösch enthüllte als kleine Überraschung eigens für seine Gäste auch den nagelneuen „Touran“, ein echtes Prachtstück und Marktführer.

 

Grüße kamen auch von der Bertelsmann-Stiftung, mit deren Hilfe vor sechs Jahren die WUFV gegründet werden konnte. Der Bürgermeister sprach allen seinen Dank aus, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen hatten und bezeichnete WUFV als echten Gewinn für Viernheim. Hier wurde sehr deutlich gemacht: Nur wenn alle Teile der Gesellschaft zur ihrer Verantwortung stehen, kann dies gewinnbringend für alle sein und da auch das Viernheimer Gemeinwesen vor ganz neuen Voraussetzungen stehe, begrüßt der Bürgermeister ganz besonders den diesjährigen Zweck der Veranstaltung, deren Spendenerlös an das Integrationsprojekt „Ich bin ein Viernheimer“ geht, ins Leben gerufen von der Pfarrei St. Michael-St. Hildegard mit den Hauptorganisatoren, Pfarrer Angelo Stipinovic, der sich entschuldigen ließ, er musste einen Termin in Mainz wahrnehmen und dem sehr engagierten Gemeindereferenten Herbert Kohl, der nach den Grußworten von Wolfgang Hofmann und dem Hausherrn Bernd Lösch diese überaus bemerkenswerte und in diese Form wohl auch ziemlich einzigartige Initiative zur Integration etwas genauer vorstellte, die inzwischen durch den anhaltenden Flüchtlingsstrom, vor allem nach Deutschland, natürlich von brisanter Aktualität ist. Im Moment werden 150 Menschen betreut, es kommen nun noch weitere 130 Flüchtlinge hinzu, die unsere Hilfe dringend benötigen und der Schwerpunkt liegt im Augenblick eindeutig auf dem Erlernen der deutschen Sprache, die Basis für eine echte Integration. Diese Sprachkurse werden finanziell erst dann unterstützt wenn ein Asylant anerkannt worden ist, ein Bleiberecht erhält - dies sei im Moment aber nur eine Handvoll, man wolle aber allen die Möglichkeit geben, die deutsche Sprache zu erlernen. Deshalb wurden nun in Kooperation mit dem Lernmobil, der Stadt Viernheim und dem Kreis Bergstraße Honorarkräfte eingestellt, die viermal die Woche vier Stunden Unterricht erteilen, dazu kommen noch ehrenamtliche Sprachbegleiter (da werden noch einige gesucht). Herbert Kohl betonte die Chance und Bereicherung für uns alle, die diese Menschen, die auf der Flucht zu uns gekommen sind, bedeuten („keine Gefahr, sondern ein Segen“) deren dringendster Wunsch der Spracherwerb sei und die so gerne Viernheimer sein möchten. Und diese mehrfache Chance (menschlicher Gewinn, kulturelle Vielfalt und volkswirtschaftlicher Nutzen – sie wollen arbeiten, viele auch möglichst eine Ausbildung machen) sollten wir alle begreifen und nutzen, ihnen eine wirkliche neue Heimat geben. „Es sind Menschen wie wir auch“, die hier nicht ins Schlaraffenland kommen, Rechte, aber auch Pflichten haben, aber immer da sind, wenn irgendwo Hilfe benötigt wird, sehr freundlich und sehr aktiv sind. Er bedankte sich ganz herzlich bei der WUFV und beim Autohaus Ernst für diese Veranstaltung. Hilfe könne man in jeder Hinsicht ganz dringend brauchen. Für alle Interessierte gab es gestern auch einen Infostand der Initiative „Ich bin ein Viernheimer“. Die Telekom, neben der Sparkasse, der Volksbank und dem Autohaus Ernst einer der Hauptsponsoren, die bereits großzügig gespendet hatten, präsentierten an einem weiteren Infostand über ihren bevorstehenden Breitbandausbau.

 

"Servicewüste" Deutschland? dies war der vielversprechende Titel eines tollen, ebenso informativen wie lebensnahen und unterhaltsamen Fachvortrags von Sven Deckert, „leidenschaftlicher“ freischaffender Unternehmer und Fachmann auf diesem Gebiet, für zahlreiche Unternehmer in der Region im Prozesscoaching beratend tätig. Er kümmert sich bei der Beratung darum, „dass es gut läuft“. Er machte sehr anschaulich anhand einiger „Klassiker“ aus dem Alltagsleben deutlich, was in der Realität „Servicewüste“ bedeutet, dass man von unten nach oben in einem Unternehmen beginnen sollte den Service zu optimieren. Er analysierte auch unter Einbeziehung seiner Zuhörer, auf deren Zusammensetzung er seinen „Impulsvortrag“ auch ein wenig zugeschnitten hatte, den Begriff Service, problematisierte den zunehmenden „Self-Service“ mancher Unternehmen (die Maschinen übernehmen ganz viel, Menschen seien ihm lieber), bezeichnete die Kommunikation großen Internetportalen nicht nur als schädlich, sondern auch als Chance, man könne direkt darauf reagieren und erläuterte seine drei wesentlichen Bausteine für guten Service: Dienstleistung, Prozesse und Mitarbeiter. Der Redner machte deutlich wofür Service stehe, was besonders wichtig dabei sei, von der Kompetenz und Begeisterung über die Freundlichkeit und die Erreichbarkeit bis zur Schnelligkeit und der Qualität, brachte immer wieder prägnante eigene Erfahrungen als Beispiele (kein Rückruf trotz mehrfacher Nachfrage) und machte deutlich, dass Service bei jedem Einzelnen beginne.

 

Service neu danken, heißt einer seiner Ansätze, innovativ sein, den Kunden immer wieder mal positiv überraschen. Und er betonte: „Ja, der Kunde ist immer der König, auch wenn er nicht immer Recht hat“.

 

Der Service sei heute im Wettbewerb von ganz entscheidender Bedeutung, dadurch unterscheide man sich vom Konkurrenten und so gewinnt man auch den Kunden. Auch einfach mal öfters etwas Neues ausprobieren!

 

Er schloss mit dem Satz „Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck“ und man merkte danach, dass sein Vortrag durchaus Anlass zum Gespräch gegeben hatte, also in der Tat ein Impulsvortrag war. Fast alle Gäste waren doppelt betroffen, als Unternehmer und las „Opfer“ der „Servicewüste“ Deutschland und deshalb wurden fleißig Erfahrungen ausgetauscht.

 

Wolfgang Hofmann bedankte sich bei seinen tollen engagierten Team, beim Gastgeber, dem Autohaus Ernst, den zahlreich erschienen Gästen und allen Sponsoren, die dazu beigetragen hatten, dass diese Veranstaltung ohne Kosten durchgeführt werden konnte. Für das 6. Treffen im nächsten Jahr suche man noch geeignete Räumlichkeiten. Sowohl er als auch der Hausherr baten dann die Gäste darum den Spendentopf kräftig aufzufüllen und es müsse dabei nicht kleppern, sondern nur rascheln. Dann ließen sich alle das leckere Buffet munden und ganz im Sinne des Netzwerkes und Austausches zwischen den Unternehmen (neben dem sozialen Engagement), in Verbindung mit einem besseren Kennenlernen das Hauptziel der WUFV fanden noch sehr interessante Gespräche statt.

 

Auch diese 5. After-Work-Unternehmer-Treffen für den guten Zweck wurde wieder getreu dem berühmten Wahlspruch von Erich Kästner durchgeführt, den Wolfgang Hofmann zurecht immer wieder gerne zitiert “Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ und die WUFV hat seit ihrer Gründung schon eine ganze Menge Gutes getan.

 

von Dieter Audgstein,

erschienen im Viernheimer Tageblatt am Montag, 28. September 2015